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Stadtrat

Gewerbegebiet und Hensoldt

Der Gemeinderat hat beschlossen, ein Gewerbegebiet "Oberkochen Süd III" als Platz für die Firma Hensoldt auszuweisen. Die Fraktionen von SPD, CDU und FBO haben dafür gestimmt, die drei von Bündnis90/Die Grünen waren dagegen.
In Teilen der Bevölkerung wird diskutiert, warum dazu ein "Naherholungsgebiet" geopfert wird, warum Hensoldt nicht in das IKG Heidenheim-Königsbronn-Oberkochen gehen kann, warum man überhaupt einem "Rüstungsbetrieb" Platz anbietet, und ob wir nicht schon genug Arbeitsplätze am Ort haben. Hier einige Fakten zum Gewerbegebiet, zu Hensoldt und zu unserer Entscheidung.

Was ist der Hintergrund?

Hensoldt ist mit 600 Arbeitsplätzen der zweitgrößte Arbeitgeber am Ort. Hensoldt kam Ende 2019 auf die Stadtverwaltung zu mit der Frage nach einem Platz, weil Zeiss wegen Eigenbedarf den Mietvertrag gekündigt hat. Hensoldt muss demnach spätestens Ende 2024 bei Zeiss raus.

Die Zeit drängt also. Daher ist das IKG mit Heidenheim und Königsbronn gegenüber der B19 nicht geeignet, weil es mittel- bis langfristig angelegt ist und weil es als Vorratsfläche für Zeiss vorgesehen ist. Dies bestätigt auch der Geschäftsführer des Zweckverbandes, Herr Ochs, der Stadtkämmerer von Heidenheim. Vor wenigen Tagen hat Zeiss angekündigt, dass sie tatsächlich dort erweitern wollen.

Für Hensoldt kommt daher nur noch die Verlängerung des Gewerbegebietes, in dem YG-1 ist, Richtung Norden in Frage. Das sind 8,8 ha, von denen 4,5 ha Gewerbefläche sein werden, der Rest ist vor allem Böschungen.

Es gibt für Hensoldt andere Optionen in der Region - man spricht von Ebnat und Westhausen - und weit außerhalb der Region.

Das "Naherholungsgebiet"

Der Hang, an dem das Gewerbegebiet entstehen soll, besteht derzeit aus Äckern, Wiesen und Hecken. Teile sind sicher ökologisch wertvoll. Für die wertvollen Teile müssen und werden Ausgleichsmaßnahmen getroffen, sonst ist eine Bebauung gar nicht möglich. Die Planung läuft, vorkommende Tiere und Pflanzen wurden aufgenommen, Ausgleichsmaßnahmen sind demnach möglich.

Von einem "Naherholungsgebiet" zu sprechen ist aber grotesk. Der Langert, das Tiefental, beim Römerkeller, der Volkmarsberg und viele andere - das sind Naherholungsgebiete. Wie viele Menschen haben sich aber jemals auf der Wiese und auf dem Acker längs der Bundesstraße naherholt?

Bezeichnenderweise sind es gerade diejenigen, die sich um das angebliche Naherholungsgebiet sorgen, die selbst ihr Häuschen mitten in ehemaligen Naherholungsgebieten stehen haben - im Wolfertstal, auf der Heide, am Tierstein.
Das ist Doppelzüngigkeit.

Hensoldt ein "böser Rüstungskonzern", der möglichst schnell aus Oberkochen verschwinden soll?

Hensoldt stellt Optik und Sensorik für das Militär her. Das ist unbestritten. Darüber hinaus gibt es aber auch einen zivilen Sektor: Sensoren für Satelliten, um den Wasserhaushalt von Feldern zu erkennen, Navigationssysteme für die zivile Luftfahrt und die Seefahrt, Drohnenabwehrsysteme, um zivile Flughäfen vor Terroranschlägen zu schützen, Wärmebildkameras für Polizei und Rettungskräfte, Geräte zur Laservermessung in der neuen EUV-Technik zur Halbleiterherstellung und da in enger Zusammenarbeit mit SMT. Hensoldt ist ein Unternehmen für Sicherheitstechnik, es werden keine Waffen hergestellt.

Vor der Ausgliederung war Hensoldt jahrzehntelang Bestandteil der Firma Zeiss in Oberkochen. Hat sich damals jemand erregt, Zeiss sei ein Rüstungskonzern? Müsste Hensoldt nicht vom Zeiss-Gelände weichen, würde es auch heute niemanden interessieren, ob es ein Rüstungskonzern ist oder nicht.

Die Oberkochener Firma CD Wälzholz, früher Kaltwalzwerk, damals Teil der Röchling-Gruppe, Teil von Rheinmetall, Ausrüster der Bundeswehr. Wurde das Kaltwalzwerk als Rüstungskonzern geächtet?

Wäre Hensoldt tatsächlich der "böse Rüstungskonzern" und wäre er weg aus Oberkochen, nur 5 km entfernt in Ebnat, wäre dann alles gut? Hier gilt wohl "Aus den Augen aus dem Sinn."

Übrigens: Hensoldt spendet seit langem - nicht erst seit 2019 - höhere Summen für Schulen, Kinderbetreuung, soziale Einrichtungen, die Kreativwerkstatt und Vereine. Diese Spenden von einem "Rüstungskonzern" hat noch niemand zurückgewiesen. Hensoldt ist eine hier verwurzelte Firma - jahrzehntelang ein Teil von Zeiss.

Und warum geht Hensoldt nicht einfach nach Ebnat oder Westhausen? Hensoldt arbeitet sehr eng mit Zeiss zusammen, insbesondere mit SMT, nutzt gemeinsame Infrastruktur. Daher ist die Nähe zum Standort bei Zeiss wichtiger als die Nähe zur Autobahn.

Wer braucht schon die 600 Arbeitsplätze?

Wir haben doch so viele Arbeitsplätze, da kommt es auf die 600 nicht an, Hensoldt kann ruhig gehen - so hört man von den Gegnern.

Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten. So wenig wert sind diese? Hinter den Arbeitsplätzen stehen Menschen. Es geht um 600 Menschen, Schicksale, Menschen mit Familien, Häusern, Wohnungen. Selbst wenn es "nur" nach Ebnat oder Westhausen geht, müssen sie sich umorientieren, ihr Leben umstellen, die Kinderbetreuung, die Schule, evtl. eine Pflegekraft für die Eltern suchen, ein Auto kaufen usw.

Andere Kommunen reiben sich die Hände, sie scharren schon mit den Hufen. Bei ihnen wäre Hensoldt herzlich willkommen.

Was ist, wenn Hensoldt nicht nur aus Oberkochen, sondern ganz aus der Region abzieht? Dann sind 600 Arbeitsplätze gefährdet. Was ist dann mit den Familien, den Kindern?

Es ist erschreckend, mit welcher Arroganz und Überheblichkeit hier über Arbeitsplätze und die damit verbundene berufliche und private Situation von Menschen entschieden wird. Und wieder sind es Leute, die selbst nicht betroffen sind, die ihr sicheres Einkommen und ihre Schäfchen im Trockenen haben. Es ist himmelschreiend.

Zeitungsartikel, Leserbriefe, Facebook, Online-Petition

Einige erinnern sich vielleicht noch: Vor 21 Jahren war es genauso. Auch damals von den Grünen initiierte Zeitungsartikel, Leserbriefe (Facebook gab es noch nicht), Flugblätter, Bürgerbegehren für mehr Demokratie, Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Bürgermeister.

Damals ging es gegen das Gewerbegebiet, in dem jetzt das SMT-Werk ist. Auch die Argumente waren damals gleich wie jetzt: Naturzerstörung, Naherholungsgebiet, "die paar Arbeitsplätze braucht niemand", "wir haben genug Arbeitsplätze" hieß es damals. Die gleichen unsinnigen und überheblichen Stimmen hört man heute wieder. Wieder sind die Verhinderer unterwegs.

Nicht ein paar, nein 4000 Arbeitsplätze sind entstanden. Heute lebt Oberkochen von SMT. Wir könnten uns keine Kinderbetreuungseinrichtungen und modern ausgestattete Schulen leisten, von denen andere Kommunen nur träumen können, keine Musikschule, keine Stadtbibliothek, kein sonderpädagogisches Bildungszentrum, kein Sportzentrum, kein Freizeitbad, nicht jährliche Straßensanierungen in Millionenhöhe, keine üppige Vereinsförderung usw.

Aber leider ist es auch hier wie so häufig: Einige wenige "Gegner" sind lauter als die schweigende Mehrheit. Beispiele gibt es zuhauf - von der "Schätteretrasse" bis zu den "Querdenkern". Sieben, acht Leute standen vor ein paar Jahren mit einem Transparent auf der Wiese im Wolfertstal, haben viel Spektakel gemacht und das Wohngebiet verhindert. Und einer kleinen Gruppe ist es vor 21 Jahren fast gelungen, SMT zu verhindern - gegen die große schweigende Mehrheit.

Es ist ein verhängnisvolles Zeichen unserer Zeit: Man lebt nach dem Motto "Mir geht es gut, ich habe alles, Haus, sicheres Einkommen, Natur. Was schert mich der Arbeitsplatz der Anderen und ob sie eine Wohnung oder ein Haus haben." Und da ist es ganz leicht, bei einer Online-Petition mit einem Click über das Schicksal anderer Menschen zu entscheiden.

Weil wir im Gemeinderat Verantwortung für unsere Stadt als Ganzes haben, hat die SPD-Fraktionen (und CDU und FBO) für den Erhalt der Firma Hensoldt in Oberkochen entschieden und wir als Sozialdemokraten werden weiter für den Erhalt jedes einzelnen Arbeitsplatzes kämpfen.

Richard Burger
Götz Hopfensitz
Ulrich Marstaller
Thomas Böttcher
Robert Ness
Michael Wenk