events - Verleihung des SPD-Sozial- und Kulturpreises 2015 an die Jugendfeuerwehr Oberkochen www.spd-oberkochen.de

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Laudatio auf die Jugendfeuerwehr Oberkochen

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, sehr geehrte Ehrengäste, liebe Jugendwarte und liebe Mitglieder der Jugendfeuerwehr,

wann immer man heutzutage eine Rede schreiben soll, also erst einmal vor einem leeren Blatt sitzt, schaut man auch im Internet nach, ob man etwas Passendes findet. Das Internet ist etwas Tolles, da stößt man doch tatsächlich auf eine Seite, die heisst: "Feuerwehrreden.de" mit dutzenden fertigen Reden etwa zur Ehrung langjähriger Mitglieder, zur Einweihung eines Feuerwehrhauses, zur Eröffnung eines Feuerwehrfestes, zur Fahnenweihe, zur Jahreshauptversammlung, man findet Trauerreden, Geburtstagsreden, Motivationsreden usw., usw. Nützt aber alles nichts, weil man als "Nicht-Feuerwehrler" kein Passwort hat. Also muss man selber ran.

Mir fiel die Rede diesmal schwerer als erwartet, nicht weil mir zum Thema nichts einfiel, sondern weil ich euch, lieben Feuerwehrleuten, bei unseren Treffen in den letzten Jahren eigentlich schon alles gesagt habe, was zu sagen war. Ihnen, verehrte "Nicht-Feuerwehrler" ist sicher statt "Sie" und "Ihnen" das vertraute "Ihr" und "Euch" aufgefallen, das ich mir einfach heraus nehme. Das liegt zum einen daran, dass eine ganze Reihe der Mitglieder der Jugend- und der aktiven Wehr meine Schüler waren bzw. sind, zum anderen daran, dass ich viele Feuerwehrleute seit über 20 Jahren persönlich kenne, weil ich sie bei fast jeder Hauptübung erleben durfte, so erst heute vor einer Woche, und weil ich bei vielen Hauptversammlungen dabei sein und die Arbeit der Aktiven und der Jugendwehr in Grußworten hervorheben durfte.
Mir fiel die Abfassung der Rede aber auch schwer, weil die jungen Leute im Gespräch, das man im Vorfeld einer solchen Veranstaltung immer führt, kaum mit Informationen, die ich brauchte, heraus rückten. Das ist typisch für die jungen Feuerwehrleute: sie reden nicht viel, sondern handeln - ganz im Gegensatz zu uns Lehrern, wie böse Zungen behaupten.
Dass ich doch an Informationen für meine Rede kam, lag schließlich an Sepp Merz und an Frank Oswald, bei denen ich mich hier ausdrücklich bedanke, denn sie haben mir an einem langen Abend vor drei Wochen mehr Fakten und Geschichten geliefert als ich hier vortragen kann - bei zwei bis drei guten Flaschen - Wasser! "Des isch wichtig." "Des müsst mr au no saga." und "do war doch no" Je länger der Abend, desto mehr sprudelte es aus ihnen heraus. Meinen Hinweis, ich wolle eine kurze Rede halten, entgegneten sie, "bei einer kurzen Rede lohnt es sich ja gar nicht, dass wir kommen."
Also gibt's eine lange, wobei es unmöglich war, alles zu verwerten - bei so manchen Geschichten, die sie mir erzählten, ist es auch gut, wenn sie nicht an die Öffentlichkeit gelangen.

Ehe ich aber zur Jugendfeuerwehr komme, erlauben Sie mir ein paar Bemerkungen zur Feuerwehr im Allgemeinen und zur Oberkochener Wehr. Ich fange mal vorne an.
Ganz vorne: Im Jahre 22 v. Chr. war die Stadt Rom das Zentrum der Macht in Europa. Eine Metropole wie Rom hatte naturgemäß mit vielen Plagen zu kämpfen und das Feuer war eine davon. Kam es zu einem Brand, mussten die Bürger Roms teuer dafür bezahlen - in doppelter Hinsicht. Denn die Feuerwehr schritt nur ein, wenn man sich dieses leisten konnte, also genug Geld hatte. Das führte nicht selten zu Tragödien, denn das Feuer war eine der größten Gefahren für eine dicht besiedelte Stadt. In besagtem Jahr 22 v. Chr. stellte nun der Ädil Marcus Crassus - Ädil war eine Art Bürgermeister - seine privaten Sklaven als öffentliche Feuerwehr zur Verfügung. Dadurch erwarb Crassus derart große Beliebtheit beim Volk, dass er schon ein Jahr später zum Prätor gewählt wurde, so eine Art "Ministerpräsident". Also: Crassus wurde vom Bürgermeister zum Ministerpräsidenten, bloß wegen der Einrichtung einer öffentlichen Feuerwehr.
Tja Herr Bürgermeister - das waren noch Zeiten, auch das mit den persönlichen Sklaven. Die Begebenheit zeigt uns aber, welche Bedeutung einer Feuerwehr schon damals beigemessen wurde.
Ich glaube Sie haben nichts dagegen, wenn ich die nächsten 1951 Jahre einfach überspringe und gleich ins Jahr 1929 komme, denn dazwischen passierte nichts Wesentliches mehr, was für diesen Abend von Bedeutung wäre.

In Oberkochen gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts für alle Männer am Ort lediglich eine so genannte "Pflichtfeuerwehr", die aber verständlicherweise nicht sehr effektiv war, denn es herrschte keine richtige Disziplin, es war kein Zug dahinter, weil viele den Feuerwehrdienst als notweniges Übel ansahen und nicht mit ganzem Herzen dabei waren.
1929 wurde deshalb, ähnlich wie damals in Rom, eine Freiwillige Feuerwehr in Oberkochen gegründet. 40 Männer, die sich der Aufgabe anderen zu helfen verschrieben haben, taten sich unter der Leitung von Franz Grupp "Goldabauer" zusammen. Noch waren Eimer das wichtigste Löschgerät, erst 1935 wurde eine Motorspritze angeschafft, 1937 die erste mechanische Leiter, erst ein Jahr später gab es Uniformen, vorher versahen die Männer ihren Dienst im "Alltagsgwand". 1957 stand das erste Löschfahrzeug vor der Türe und 1963 endlich eine Fahne, ein wichtiges Identifikationssymbol der Wehr. Ihr Motto von Anfang an und bis heute: "Einer für alle, alle für Einen."

Retten - löschen - bergen: Das waren die Aufgaben der Feuerwehren und sie sind es in Grundzügen bis zum heutigen Tag, auch wenn sich das Einsatzspektrum wesentlich erweitert hat. Für die Männer - und inzwischen auch Frauen - der aktiven Wehr ist es seither selbstverständlich, rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr ehrenamtlich für die Mitbürgerinnen und Mitbürger da zu sein, Menschenleben zu retten und notfalls dafür das eigene Leben einzusetzen. Das verlangt von der Truppe und jedem Einzelnen körperlich und seelisch ungeheuer viel ab, besonders wenn sie zu Verkehrsunfällen gerufen werden, was immer häufiger der Fall ist, denn nur noch ein Drittel aller Einsätze sind Brandeinsätze.
Es ist eben nicht so, dass die Feuerwehrleute lediglich zwei bis drei Mal im Jahr ausrücken um eine Katze vom Baum zu holen oder Straßen von einer Ölspur zu reinigen. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr müssen immer da sein, zu jeder Tages- und Nachtzeit auf dem Sprung sein, bei jedem Alarm auf das Schlimmste gefasst sein, die Familie daheim lassen, sich selbst in höchste Gefahr begeben und hoffen, dass man heil aus der Situation heraus kommt.
Uns interessiert meist nicht, wie sie ausrücken, um wie viel Uhr nachts sie ausgerückt sind. Wir wissen nicht, was die Freiwilligen zu sehen bekommen, zu welchem neuen ungewissen Einsatz sie fahren, welche Gedanken und Ängste sie begleiten, wenn sie zu einem Verkehrsunfall kommen, bei dem sie möglicherweise schwer Verletzte oder gar Tote bergen müssen und daher nicht wissen, welcher Anblick sie erwartet, und wenn sie in brennende Häuser gehen, wo andere die Flucht ergreifen. Stattdessen beschwert man sich, wie neulich tatsächlich passiert, wenn man nachts durch das Signalhorn im Schlaf gestört wird! Und wir lassen sie trotz Notfallseelsorge nach den Einsätzen oft allein mit den Bildern in ihren Köpfen.
"Sie" tun dies alles freiwillig und eine sehr hohe Disziplin, ja Professionalität wird von ihnen gefordert. Und ein hoher Zeitaufwand. Nicht nur für die Einsätze, sondern auch dafür, um die "brenzligen" Situationen zu üben, denn das Wissen darüber, wie in Stresssituationen zu handeln und das technische Gerät sicher zu bedienen ist, bedeutet hartes Training, Kraft, dauerndes Lernen, technisches Verständnis und vor allem Zusammenarbeit und soziale Kompetenz.
Die Feuerwehrleute müssen viele Lehrgänge besuchen, Prüfungen ablegen, Erfahrungen sammeln. Dass dies alles über die Einsätze hinaus weitere hunderte Stunden Arbeit und Schweiß bedeutet, ist vielen nicht bewusst. Diejenigen, welche die Freiwilligen Feuerwehren trotzdem belächeln, lächeln nur solange bis "sie" vor der Tür des eigenen brennenden Hauses stehen, einen aus dem eigenen Autowrack herausschneiden müssen oder in Zeiten von Hochwasser bei Seite stehen und mit dem Nötigsten versorgen. Hoffentlich tritt diese Situation bei keinem von uns ein.

Die Freiwilligen Feuerwehren sind daher gesellschaftlich unendlich wichtig, sie sind absolut unverzichtbar! Der Brandschutz von 70 Prozent der Bundesbürger - also fast aller Bürger, die nicht in größeren Städten leben - wird von freiwilligen Feuerwehren geleistet. Unsere Freiwillige Feuerwehr wurde für ihre professionelle Arbeit und ihren Einsatz unter anderem mit dem CDU-Preis im Ehrenamt gewürdigt.

Es braucht Menschen, die das alles was ich ausgeführt habe, auf sich nehmen. Das sind die Mitglieder der aktiven Wehr. Für uns stehen heute aber Andere oder zumindest ein anderer Teil der Feuerwehr im Mittelpunkt. Denn die freiwilligen Feuerwehren benötigen Nachwuchs. Sie brauchen junge Menschen, die sich für die ehrenamtliche Mitarbeit in freiwilligen Feuerwehren interessieren und begeistern lassen. Das geht nicht im Selbstlauf, so genannte "Quereinsteiger" gibt es kaum. Man muss auf die Kinder und Jugendlichen aktiv zugehen, muss die Feuerwehr und ihre Tätigkeit vorstellen, interessant machen und dafür werben.
Deshalb kam beim Kreisfeuerwehrtag 1991 unter den Mitgliedern der Oberkochener Wehr die Idee auf, eine Jugendfeuerwehr zu gründen, um Kinder und Jugendliche spielerisch an die Aufgaben bei der Feuerwehr heran zu führen, also sozusagen "Eigengewächse heran zu ziehen". Vorausblickend, als eine der ersten Wehren in der Region, wurde also erkannt wie wichtig die Nachwuchsarbeit ist. Der damalige Bürgermeister Gentsch lud die Verantwortlichen zu einem Gespräch ins Rathaus ein und konnte dabei gleich die Unterstützung von Verwaltung und Gemeinderat zusagen.
Bei Sepp Merz, der seit 1974 Kommandant war, fielen die Ideen auf fruchtbaren Boden, seine Nachfolger Erwin Winter und Bernd Betzler 1 standen ihm später in nichts nach. Im damals 23-jährigen Frank Oswald wurde ein Feuerwehrmann gefunden, der selbst noch so jung war, dass er die Sprache der Jugendlichen sprach und der bereit war, zusammen mit Bernd Sobottka die Aufgabe der Leitung einer solchen Rasselbande übernehmen zu wollten.
Und nur wenige Monate später, am 17. Oktober 1991, also vor fast genau 24 Jahren, wurde die Jugendfeuerwehr Oberkochen gegründet. So etwas geht bei der Feuerwehr "ratz-fatz". Einem Aufruf in "Bürger und Gemeinde" zu einem Informationsabend folgten zunächst 6 bis 8 Jugendliche, binnen zwei Monaten waren es um die 20 im Alter zwischen 10 und 17 Jahren. Diese Zahl blieb in 24 Jahren nahezu stabil, es gab nie schwache Zeiten, im Gegenteil: zeitweise musste sogar ein Aufnahmestopp verhängt werden, weil der Andrang zu groß und eine sinnvolle Arbeit mit über 25 Jugendlichen nicht mehr möglich war.

Wie sah und wie sieht nun die Arbeit in der Jugendfeuerwehr aus? Wie eingangs erwähnt, könnte ich hier über eine Stunde lang referieren, wollte ich alle Aktivitäten aufführen, die mir Sepp Merz und Frank Oswald genannt haben, ich will mich aber auf eine paar wenige beschränken.
Regelmäßig alle zwei Wochen trifft man sich. Theoretisch und praktisch wird den Jungendlichen beigebracht wie z. B. eine Feuerwehrpumpe und ein Wasserverteiler funktionieren, was ein Strahlrohr ist, wie man einen Schlauch kuppelt, wie all die Geräte der Feuerwehr eingesetzt werden, wie ein Einsatzort abgesichert wird, wie man einen Löschangriff startet und vieles andere Feuerwehrtechnische mehr. Im Zusammenschluss mit anderen Jugendfeuerwehren, z. B aus Essingen und Königsbronn und auch mit der Jugend des DRK gibt es spektakuläre Übungen, bei denen alle ihr Gelerntes wie "richtige Feuerwehrmänner und -frauen" zeigen können.
Interessant fand ich, dass zur Ausbildung auch ein so genannter Berufsfeuerwehrtag gehört. Einen ganzen Tag lang spielen die Jugendlichen Berufsfeuerwehrmann - auch nachts. Sieben bis zehn fiktive Einsätze sind über den Tag verteilt: Frühstück, arbeiten, Unterricht, Alarm, z.B. eine Ölspur beseitigen, wieder Unterricht, erneuter Alarm - diesmal eine Katze im Baum - danach Sport, nachts noch ein kleiner Fehlalarm. Das alles, um zu zeigen wie anstrengend aber auch wie abwechslungsreich der Beruf des Feuerwehrmanns ist. Und die Jugendlichen sind mit Feuereifer - im wahrsten Sinne des Wortes - dabei, vor allem, wenn danach in Wettbewerben Leistungsabzeichen erworben werden können. Wichtig ist dabei immer, die Aufgaben der aktiven Wehr spielerisch zu vermitteln.
Trotzdem ist das alles ganz schön hart und anstrengend. Wie bringt man Jugendliche dazu, sich alle 14 Tage zu treffen, auf Befehle zu hören, sich zu plagen und schweres Gerät zu schleppen? Zum einen mit der "50-50-Regel": 50 Prozent ernste feuerwehrtechnische Ausbildung, aber auch 50 Prozent Freizeitspaß. Zum anderen mit Jugendwarten, die mit viel Engagement und persönlichem Einsatz diese Aufgabe angehen. Sie müssen die jungen Menschen durch Aktivitäten, Training, gemeinsames Lernen und gemeinsamen Spaß zusammen halten und auch darauf vorbereiten, später einmal Verantwortung in der Feuerwehr zu übernehmen.
Da gehört ganz, ganz viel Idealismus dazu. Ein Jugendwart muss den Lehrstoff verständlich übermitteln, autoritär aber doch kumpelhaft sein, die Jugendlichen überzeugen können, den Teamgeist fördern, einen guten Draht zu den Jugendlichen haben, ständig neue Ideen, eine ganze Menge Ausdauer und gute Nerven haben. Und er muss ihnen vorleben, was einen guten Feuerwehrmann ausmacht.
Ich muss hier Frank Oswald hervorheben. Er hat dies sage und schreibe 22 Jahre lang federführend gemacht und einen großen Teil seiner Freizeit, seines Urlaubs, seines Familienlebens dafür eingesetzt, wenn am Wochenende Wettkämpfe ausgerichtet und in den Ferien Ausfahrten und Jugendcamps organisiert werden sollen. Aber ohne ein funktionierendes Team, zu dem Bernd Betzler 2, Lutz Hurler und Thorsten Lonsinger gehörten, wäre das für ihn alleine nicht leistbar gewesen.
Stefan Leopold und Christian Keil, die heutigen Jugendwarte, unterstützt vom Jugendleiter Fabian Ehinger, führen seine Arbeit genau so engagiert und im gleichen Sinne weiter.

Neben der spielerischen feuerwehrtechnischen Ausbildung gibt es beim zweiten Teil der "50-50-Regel" ein vielseitiges Freizeitprogramm und eine anspruchsvolle Jugendarbeit, hinter denen fast immer ein pädagogisches Ziel und ein Stück Erziehung stecken. Dazu gehören sportliche Wettbewerbe, Wanderungen, Tagesausflüge, Urlaub ohne Eltern, Zeltlager, eine jährliche Gebirgsausfahrt mit Übernachtung in einer Hütte, aber auch Eislaufen, Minigolf, Kegeln, eine lange Filmnacht, und, und, und. Bei all diesen Aktionen erfahren die Jugendlichen, dass es neben Computerspielen auch noch andere Freizeitbeschäftigungen gibt und sie lernen dabei, sich in Gruppen zu organisieren, sie lernen Sozialverhalten, Kameradschaft, Verantwortung zu übernehmen und wie man Konflikte löst.
Ich habe als Lehrer schon bei einer ganzen Reihe von Schülern erlebt, wie sich das Durchlaufen der Jugendfeuerwehr positiv auf ihre Persönlichkeitsentwicklung auswirkt, wie aus Lausbuben verantwortungsvolle junge Menschen werden, die sicher da sind, wenn ihr alter Lehrer sie mal brauchen sollte und nicht erst überlegen, wie das damals mit der Note in Mathe war.

Eine ganze Reihe von Aktionen zielt ganz bewusst auf soziales Engagement ab. So bestehen seit Jahren enge Partnerschaften mit dem Forstamt und dem Maschinenhof in Ochsenberg. Als Gegenleistung für das Übernachten in einer Waldhütte werden dann für das Forstamt die Wege sauber gemacht.
Der Lerneffekt: nichts wird einem geschenkt, Leistung und Gegenleistung. Die Jugendfeuerwehr übernimmt selbstverständlich eine Waldpatenschaft, sie ist dabei wenn die Hülbe in der Bilz sauber gemacht werden muss, sie engagiert sich beim internationalen Jugendcamp, sie ist beim Ferienprogramm der Stadt dabei, sie macht eine Anti-Drogen-Disco mit der BKK Zeiss. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Aber natürlich wird auch einfach mal Blödsinn gemacht und "rumgebubelt". So kann es schon mal vorkommen, dass alle Jugendlichen mit roten Gesichtern von einer Freizeit nachhause kommen, weil das Lagerfeuer am Abschlussabend selbst für die Feuerwehr überdimensioniert war. Oder dass einer einen schweren Roller stundenlang um einen Berg und über elektrische Weidezäune schleppen muss, weil er glaubte, bei einer Wanderung eine Abkürzung nehmen zu müssen.
Aber auch diese Erfahrungen muss man einmal machen. Welche sozialen und pädagogischen Ziele hinter den Begriffen Unterhosenwrestling oder Schlafsacktreppenrunterrollen stecken, müssten mir aber die Beteiligten nachher mal in aller Ruhe erklären.

Derzeit sind etwa 20 Jugendliche fest in der Jugendfeuerwehr. Alles in Allem haben seit ihrer Gründung rund 350 Jugendliche die Jugendwehr absolviert, rund 70 Prozent "bleiben hängen" und wechseln mit Erreichen des 18. Lebensjahres in die aktive Wehr. Das zeigt, dass die damalige Entscheidung, eigenen Nachwuchs aufzubauen, richtig war. Von den 44 Mitgliedern der heutigen aktiven Wehr stammen 30 aus der eigenen Jugendfeuerwehr.
Beeindruckend war, als bei der Hauptversammlung der Feuerwehr vor drei Jahren Frank Oswald nach 22 Jahren als Jugendwart verabschiedet wurde und sich alle erhoben, die er in seiner Zeit als Jugendwart von der Jugendwehr zur aktiven Wehr gebracht hat. Sehen Sie selbst, ich war fast der Einzige, der in der TSV-Halle auf seinem Platz sitzen bleiben musste.

Für uns von der SPD in Oberkochen waren also zwei Bereiche ausschlaggebend, weshalb wir den 12. Sozialpreis gerade der Jugendfeuerwehr verleihen wollen:
Zum einen weil seit 24 Jahren die Jugendfeuerwehr eine tolle Arbeit für junge Leute macht, die hilft, dass unsere Freiwillige Feuerwehr nach wie vor genügend technisch ausgebildeten Nachwuchs findet und es damit auch in Zukunft gute, motivierte Feuerwehrleute gibt für eine Aufgabe, die der Allgemeinheit, also uns allen, dient, auf die die Allgemeinheit angewiesen ist und die in ihrer Bedeutung nicht mehr wegzudenken ist und auf die nicht verzichtet werden kann.
Zum anderen - und das ist für uns von der SPD mindestens genau so wichtig - weil Jugendliche zu verantwortlichem Handeln erzogen werden, dazu, für sein Tun und Handeln gerade zu stehen, für andere einzustehen, Verantwortung für sich und für andere zu übernehmen.
Weil sie in der Jugendwehr lernen, sich in eine Gruppe einzufügen, soziales Miteinander zu leben statt gegeneinander zu handeln. Die Jugendlichen lernen mit Spaß nichts anderes, als ihren Mitmenschen zu helfen. Sie lernen die Bedeutung von Kameradschaft, Teamfähigkeit und soziale Kompetenz, zu wissen, wo es anzupacken gilt und dass es wichtig ist, sich aufeinander zu verlassen.
Ich halte das für einen wichtigen sozialen Beitrag der Feuerwehr, in einer nach meinem Eindruck zunehmend egoistischer werdenden Gesellschaft.

Am 5. Juni 2013 wurdet ihr übrigens bereits schon einmal geehrt. Im Festsaal des Hamburger Rathauses. Nein? Doch! Zusammen mit allen 18.000 Jugendfeuerwehren, die es in Deutschland mittlerweile gibt. Damals wurde den Jugendfeuerwehren der Deutsche Nationalpreis verliehen. Mit diesem Preis würdigte die Deutsche Nationalstiftung, gegründet unter anderem von Altbundeskanzler Helmut Schmidt, das ehrenamtliche Engagement und die gesellschaftliche Integrationsleistung der Jugendfeuerwehren. Eine große Ehre damals für alle Jugendfeuerwehren.

Den Preis heute bekommt ihr ganz alleine, heute seid ihr die Hauptpersonen, denn ihr seid eine tolle Truppe. Ich für meine Person und die Mitglieder der Oberkochener SPD haben größten Respekt und Hochachtung für eure Arbeit, und haben daher bei der Mitgliederversammlung am 15. Juli dieses Jahres einstimmig beschlossen, den 12. Sozialpreis der SPD an die Jugendfeuerwehr Oberkochen zu verleihen.
Nach dem was ich ausgeführt habe, müsste Jedem im Saal klar sein, dass ihr den Preis verdient habt und dass ihr euch würdig in die Reihe der bisherigen Preisträger einreiht.
Natürlich dürfen sich Kommandant, Stellvertreter, die Ehrenkommandanten, der gesamte Vorstand und alle Aktiven der Wehr in ihrer Jugendarbeit bestätigt sehen und daher ebenso geehrt fühlen, denn sie haben den Weg bereitet, ihre Jugendwehr fast 25 Jahre lang begleitet und sie jederzeit tatkräftig gefördert und unterstützt.
Aber die 500 Euro, die mit dem Preis verbunden sind, sind ganz alleine für euch Junge. Ich bin sicher ihr werdet sie sinnvoll für eure Arbeit oder für eine Freizeitaktion einsetzen.
Einen Satz muss ich noch zur Urkunde verlieren, die ich euch gleich überreichen werde. Sie ist wiederum, wie die anderen elf Urkunden für die bisherigen Preisträger, ein Unikat, ein wertvolles Einzelstück, handgeschrieben und in stundenlanger Arbeit eigens angefertigt von einem professionellen Kalligraphen. Ich würde mir wünschen, sie fände einen passenden Platz.

Ich danke für eure, für Ihre Aufmerksamkeit und darf den Jugendwart Stefan Leopold, den stellvertretenden Jugendwart Christian Keil, zur Überreichung dieser Urkunde und natürlich des Umschlags mit Inhalt auf die Bühne bitten.
Für das obligatorische Foto bitte ich außerdem unseren Landrat, unseren Bürgermeister und obersten Feuerwehrmann, den Kommandanten Bernd Betzler, den stellvertretenden Kommandanten und langjährigen Jugendwart Frank Oswald sowie natürlich die Jugendlichen der Jugendfeuerwehr nach oben.

(rb)